Informationen zur Gefährdungseinschätzung von Bombenblindgängern
Die größte Gefahr geht zweifellos von alliierten Bombenblindgängern mit chemischen Langzeitzündern aus, die immer wieder vereinzelt aufgefunden und entschärft werden müssen.
Bei diesen Zündsystemen wird eine stark vorgespannte Zündnadel durch Zelluloidscheiben bzw. -ringe gehalten, die im Normalfall durch Chemikalien zersetzt und nach Laufzeiten einer halben bis zu 144 Stunden zur Zündauslösung führen sollten.
Voraussetzung hierfür war jedoch eine sichere Einwirkung der Chemikalien auf die Zelluloidbauteile, was zum Beispiel bei ungünstiger Bombenlage (Spitze nach oben) nicht gegeben war und somit zu Versagern führte.
Teilweise zersetzte und nach über 50-jähriger Lagerzeit durch natürlichen Alterungsprozeß versprödete Zelluloidbauteile halten der Federkraft auf Dauer nicht stand, was letztlich zu Selbstdetonationen führen kann.
In vielen Fällen von Selbstdetonationen konnte, aufgrund von Splittern, Zünderresten oder durch Blindgängeraufgrabungen in unmittelbarer Nähe, der Einsatz von chemischen Langzeitzündern nachgewiesen werden.
Eine Einschränkung der Detonationen nur auf diese Zündermodelle ist jedoch sehr umstritten, da nach neueren Erkenntnissen möglicherweise auch vom Initialsprengstoff der Detonatoren Gefahr ausgehen könnte, welche auch bei mechanischen Zündsystemen zum Einsatz kommen.


